
Dr. Renate Wolter-Brandecker (*1949)
Verwaltungsbeamtin, Diplom-Pädagogin. Heute: Stadtverordnete der SPD, stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin
Wohn- und Arbeitsort: Ostend
im Ostend seit 1982
Welchen Grund gab es für Sie, ins Ostend zu gehen?
Mit meiner Eheschließung bin ich ins Ostend gezogen.
Ihre Verbindung zum Ostend?
Seit ich 1982 ins Ostend gezogen bin, bin ich auch in der SPD im Ostend aktiv. Von Anfang an war das Künstlerhaus Mousonturm eine der wichtigen Aktivitäten. 1989 wurde ich als Stadtverordnete aus dem Ostend in die Stadtverordnetenversammlung gewählt, der ich noch immer angehöre. Ich bin auch Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt
Ostend und des Frankfurter Bundes für Volksbildung, der im Ostend seinen Sitz hat, bin Mitglied im Verein Nachbarschaftszentrum Ostend, im Aufsichtrat vom Künstlerhaus Mousonturm. Habe viel zu tun mit der Naxos-Halle, aber ebenso mit den Sozial- und vor allem auch mit den Drogenhilfeeinrichtungen im Ostend.
Das Ostend als ehemals jüdisch geprägtes Viertel, aber auch als ein Stadtteil, aus dem die jüdische Bevölkerung vertrieben und über die Großmarkthalle in die Vernichtungslager deportiert wurden, ist wichtig als Stadtteil, in dem das Gedenken an die Geschichte große Bedeutung hat. Deshalb habe ich mich immer für die Gedenkstätte an der Großmarkthalle, für die Ausstellung im Bunker über das jüdische Ostend und die Aufarbeitung der Geschichte eingesetzt. Es gibt eine Reihe sozialer Probleme im Stadtteil, die zu lösen mir sehr wichtig ist.
Ihr persönlicher Kommentar zum Ostend?
Das Ostend ist für mich einer der spannendsten Stadtteile Frankfurts, der eine rasante Entwicklung in den letzten Jahren genommen hat. Es hat eine massive Änderung in der Struktur der Arbeitsplätze gegeben, und durch den Bau der Europäischen
Zentralbank werden sich noch einmal erhebliche Veränderungen für die hier lebende Bevölkerung ergeben. Es war immer ein Stadtteil, in dem man möglichst wieder weggezogen ist, wenn sich die sozialen Verhältnisse gebessert haben. Es ist aber auch kein homogener Stadtteil, nördliches und südliches Ostend sind völlig verschieben, das Hafengebiet ebenso. Im südlichen Ostend ist ein hoher Anteil von Bevölkerung mit Migrationshintergründen, das macht es aber spannend. Schwierig ist, dass es keinerlei Mittelpunkt, keine Treffpunkte im Ostend gibt, kein Bürgerhaus, keine Einkaufsstraßen, keine Cafés, in denen sich die Anwohner treffen. Es ist oft Umsteigebahnhof, Durchgangsstation, aber es hat auch tolle Seiten mit dem Main, mit vielen Kultureinrichtungen wie dem Zoo, dem Künstlerhaus Mousonturm, der Naxoshalle, dem Kabarett die Käs, dem Fritz-Rémond-Theater, dem Institut für Neue Medien, dem Filmhaus, dem Internetknotenpunkt auf der Hanauer, vielen Galerien, vielen Filmfirmen. Es ist ein Stadtteil voller Widersprüche, und das macht ihn interessant.