Annette Gloser, Kuratorin

 

Annette Gloser (*1966)

Restauratorin, Kuratorin

Wohn- und Arbeitsort: Frankfurt am Main; Lobo, Texas, USA

Im Ostend von 1991 bis 2000

 

Welchen Grund gab es für Sie, ins Ostend zu gehen?

In den 1990er-Jahren war das Ostend noch ein innerstädtischer, teilweise auch sozialer Brennpunkt: ein Kieswerk am Mainufer und ein paar provisorische Zelte von Obdachlosen, für Frankfurt ungewöhnlich wilde Kneipen, der nächtliche Betrieb der Großmarkthalle und viel ungenutzter Platz, der zur Zwischennutzung für nicht kommerzielle, künstlerische Projekte genutzt werden konnte ohne dass Anwohner sich sofort belästigt fühlten. Das Gebiet um die Honsellbrücke war noch bis letztes Jahr ein Beispiel für Urlaub von der Stadt, in der Stadt.

 

Ihre Verbindung zum Ostend?

Für das FRUCHTIG, eine 600 qm große Lagerhalle, umfunktioniert zur Ausstellungshalle, konnte es keinen besseren Standort als den Containerbahnhof geben.

Do-It-Yourself-Popkutur verlangt nach unverbrauchten, frischen Strukturen, um sich entfalten zu können.

1995 war das Ostend noch ein reines Industriegebiet mit marodem Charme, Sandstrassen und Wildwuchs um Schrottplätze, Gleise, Containerabladeplatz und spannenden, nicht renovierten leer stehenden Gebäuden. Hier wehte noch einige Jahre ein Hauch von kulturellem Pioniergeist, bis erste Clubs, Möbelhäuser, dann Werbeagenturen und Infrastruktur nachzogen.

Container-Bahnhöfe und -Häfen, sind für mich heute noch sympathische, internationale kleine Republiken, in denen man mit der ganzen Welt verbunden ist.

 

Ihr persönlicher Kommentar zum Ostend?

Brav und durchrenoviert ist es geworden. Alles da, nur kein Abenteuer mehr!